Prof. Dr. h.c. Werner Otto (1909 – 2011)

Ehrenbürger der Stadt Seelow

Prof. Dr. h.c. Werner Otto | © Werner Otto Stiftung

Werner Otto wurde am 13. August 1909 in Seelow geboren. Er war als Gründer des Otto-Versandhandels, am Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt und gilt als einer der Pioniere der bundesdeutschen Wirtschaft.

Kurz nach seiner Geburt verstarb seine Mutter Frieda Otto, sodass sein Vater Werner ihn allein aufzog. Die Schule besuchte er in Schwedt und später das Gymnasium in der uckermärkischen Stadt Prenzlau, das er jedoch vor dem Abschluss verlassen musste, weil sein Vater das Schulgeld nicht mehr bezahlen konnte. Werner Otto begann schließlich eine kaufmännische Lehre in Angermünde, wonach er sich als Einzelhandelskaufmann, wie einst sein Vater, selbstständig machte.

Seine erste Frau Eva heiratete Otto 1936 und siedelte mit ihr ins kurz zuvor vom Deutschen Reich annektierte Kulm an der Weichsel über und eröffnete dort ein Schuhgeschäft. Die erste gemeinsame Tochter Ingvild kam 1941 zur Welt, wonach zwei Jahre später Sohn Michael folgte. Nachdem Werner Otto kurz vor Kriegsende zur Wehrmacht einberufen wurde, führte seine Frau das Geschäft allein weiter. Otto erlebte das Kriegsende in einem Lazarett wegen einer Kopfverletzung.

Nach Kriegsende kam die Familie Mittellos nach Hamburg, wo Werner eine Schuhfabrik gründete. Die Scheidung von seiner Frau folgte 1948. Mit seinem Unternehmen hatte der nun 39-Jährige kein Gluck und musste Konkurs anmelden. Daraufhin eröffnete er 1949 mit 6.000 Mark Startkapital und wenigen Mitarbeitern ein Versandhandel für Schuhe, woraus sich der Otto-Versand entwickelte. Noch heute ist das Unternehmen, das mittlerweile zu den größten Versandhandelsgruppen der Welt gehört, im Familienbesitz und erwirtschaftet mit mehr als 55.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 15 Milliarden Euro.

Im Jahr 1952 heiratete Werner Otto seine zweite Ehefrau Jutta Bäcker, mit der er fünf Jahre später seinen zweiten Sohn Frank bekam. Mit seiner dritten Ehefrau Maren hat Otto in den 1960er-Jahren seine jüngsten Kinder Alexander und Katharina bekommen. Katharina ist Filmemacherin in News-York (USA) und Alexander bekam von seinem Vater die Immobilienfirma ECE, die er 1965 gründete, anvertraut. Heute ist die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG eine der bedeutendsten Entwickler, Realisierer, Vermieter und Betreiber von gewerblichen Großimmobilien in Europa.

Werner Otto verwendete einen Teil seines Vermögens für soziale Zwecke, worunter insbesondere Stiftungen oder Einrichtungen, die seither seinen Namen tragen, wie für politische Spenden.

1969 gründete Otto die Werner Otto Stiftung und stellte in den rund 40 Jahren bis Ende 2010 insgesamt 19,7 Millionen Euro zur Förderung der medizinischen Forschung an Hamburger Krankenhäusern zur Verfügung. Das Werner Otto Institut, profitierte, welches sich der Früherkennung und Behandlung entwicklungsgestörter Kinder und Jugendlicher widmet, ebenso davon, wie das wissenschaftliche Behandlungszentrum für Krebskrankheiten im Kindesalter am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Mittel für das „Werner Otto Stipendium zur Förderung des medizinisch-wissenschaftlichen Nachwuchses an der Universität Hamburg“, wie auch für den Preis der „Werner Otto Stiftung zur Förderung der medizinischen Forschung“, brachte die Stiftung ebenfalls auf.

Werner Otto ist es, dank einer großzügigen Spende, zu verdanken, dass der Seelower Kirchturm ab 1997 wiederaufgebaut werden konnte, nachdem er im Krieg zerstört wurde.

Neben einem großen sozialen Engagement gründete Werner Otto anlässlich seines 100. Geburtstages, den er im Jahr 2009 begehen konnte, die Werner und Maren Otto Stiftung. Er stattete sie mit einem Stiftungskapital von fünf Millionen Euro aus und der Unterstützung armer und älterer Menschen in Berlin und Brandenburg.

Werner Otto erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter sind neben dem Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die Ehrendenkmünze in Gold des Hamburger Senats und den Ehrentitel Professor der Freien und Hansestadt Hamburg. Otto war zudem Ehrendoktor und Ehrensenator der Universität Hamburg. Brandenburgs damaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck verlieh ihm 2006 den Landesverdienstorden.

Am 21. Dezember 2011 verstarb Werner Otto im Alter von 102 Jahren in Berlin. Auf seiner Trauerfeier hielt Bundeskanzler Helmut Schmidt eine Rede, in der er ihn als „Wohltäter“ und als „Ideal eines europäischen Unternehmers“ bezeichnete. Anfang des Jahres 2012 wurde Werner Otto auf der Familiengrabstätte auf dem Ohlsdorfer Friedhof, beigesetzt.